1. Lesen Sie das Mengengerüst, nicht die Endsumme
Jede seriöse Position besteht aus drei Angaben: Menge, Einheit und Einheitspreis. Die Menge ist die Stelle, an der die meisten überhöhten Angebote entstehen — und zugleich die am leichtesten zu prüfende. Steht dort eine Fassadenfläche von 420 m², können Sie das grob nachrechnen: Gebäudebreite mal Höhe, abzüglich Fenster. Weicht die angesetzte Menge deutlich ab, fragen Sie nach, wie sie ermittelt wurde. Allein diese Frage verändert oft schon das Angebot.
2. Bestehen Sie auf Einheitspreisen
Eine Pauschale ist bequem und teuer. Sie verbirgt, wofür Sie bezahlen, und macht jeden Vergleich unmöglich. Bei Einheitspreisen sehen Sie, was ein Quadratmeter Gerüst, ein laufender Meter Sockelabdichtung oder eine Stunde Regiearbeit kostet. Erst dadurch werden zwei Angebote überhaupt vergleichbar — und Nachträge lassen sich später zum vereinbarten Preis abrechnen statt zum aufgerufenen.
3. Suchen Sie nach dem, was fehlt
Der teuerste Teil eines Angebots ist oft das, was nicht darinsteht. Gerüst, Entsorgung des Altmaterials, Baustelleneinrichtung, Schuttcontainer, Anfahrt, Gerüststandzeit über die kalkulierte Dauer hinaus: Fehlt eine dieser Positionen, kommt sie später als Nachtrag zurück. Dann gibt es keinen Wettbewerb mehr, und der Preis wird aufgerufen statt verhandelt.
Praktischer Test: Fragen Sie schriftlich, ob das Angebot alle zur Ausführung notwendigen Leistungen enthält. Die Antwort haben Sie dann schwarz auf weiß.
4. Prüfen Sie Material und Ausführungsart
Zwischen zwei Angeboten liegt häufig mehr Unterschied im Material als im Preis. Bei einer Fassadendämmung entscheidet die Dämmstoffdicke über die Wirkung, bei einem Anstrich die Anzahl der Aufträge, bei einer Abdichtung die verwendete Bahn. Steht im Angebot nur „Dämmung anbringen“ ohne Produkt, Dicke und Norm, ist es kein prüfbares Angebot. Lassen Sie es konkretisieren.
5. Holen Sie ein Vergleichsangebot ein — richtig
Zwei Angebote sind nur dann vergleichbar, wenn beide dasselbe beschreiben. Schicken Sie deshalb beiden Betrieben dieselbe Leistungsbeschreibung, statt jeden ein eigenes Angebot schreiben zu lassen. Sonst vergleichen Sie zwei verschiedene Bauvorhaben und wundern sich über die Differenz.
Der Zweck ist nicht, den Preis zu drücken. Der Zweck ist zu erkennen, ob der erste Preis marktüblich war.
6. Klären Sie Zahlungsplan und Gewährleistung vor der Freigabe
Abschlagszahlungen sollten sich am Baufortschritt orientieren, nicht am Kalender. Eine Schlussrate von fünf bis zehn Prozent, fällig nach mängelfreier Abnahme, ist üblich und schützt Sie. Halten Sie außerdem fest, wann abgenommen wird und wie Mängel dokumentiert werden. Wer das erst nach Baubeginn regelt, verhandelt aus der schwächeren Position.
Kurz zusammengefasst
Mengen nachrechnen. Einheitspreise verlangen. Nach fehlenden Positionen suchen. Material konkretisieren lassen. Vergleichsangebot auf gleicher Grundlage einholen. Zahlungsplan vorher festlegen.
Genau diese Prüfung übernehme ich für die Objekte, die ich verwalte. Ab 300 € Auftragswert hole ich ein Vergleichsangebot ein und prüfe beide selbst — aus fünf Jahren Kalkulation und über 1.000 geprüften Angeboten.